Der Mensch hinter den Instrumenten

Karl Maximilian Riedel

Acht Berufe, ein Leben, eine Berufung.

Karl M. Riedel beim Kaltenberg-Ritterfest

Karl Maximilian Riedel mit einem Klanbaum an seinem Stand bei den Kaltenberger Ritterspielen.

„Ich bin reich, weil ich jeden Tag tun darf, was ich liebe."

— Karl M. Riedel

Werdegang

Ein verrückter Lebenslauf – und ich bereue keine Minute davon

In einer unscheinbaren Werkstatt in Admont riecht es nach Holz. Die Wände sind dicht behangen mit Instrumenten, deren Namen die meisten noch nie gehört haben – Drehleiern, Nyckelharpas, Trumscheite. Wer diesen Raum betritt, spürt sofort: Hier ist jemand zu Hause.

Ich bin in München aufgewachsen. Mein Vater war Philosoph, Schriftsteller und Gastronom. Mein Leben folgte keiner geraden Linie: Elektromechaniker, Hotelfachschule, Chef de Rang, Geschäftsführer in der Hotellerie, Bundeswehr, staatlich geprüfter Bautechniker. Acht Berufe, vier Kinder aus zwei Beziehungen – ein Mensch, der immer wissen wollte, wie Dinge funktionieren.

„Keine Minute möchte ich von meinem verrückten Lebenslauf missen." Denn all diese Stationen haben mich genau dorthin geführt, wo ich heute bin: an die Drehbank, an die Säge, an das Werkzeug eines Instrumentenbauers.

Die Drehleier als Wendepunkt

Beim ersten Baukurs für historische Instrumente begann für mich etwas, das sich nie wieder aufgehört hat. Das mittelalterliche Saiteninstrument wurde für mich zur Metapher – und zum Lebensinhalt.

Die Saiten werden von einem eingezahnten Rad gestrichen, das über eine Kurbel bewegt wird. Der Ton entsteht durch Berührung. Die Länge der Melodiesaiten verändert sich über Tasten, während im Hintergrund der Bordun – der so genannte Grundton – konstant mitschwingt.

„Los löst er beim Spielen am Ende jede Disharmonie wieder im konstanten, im Hintergrund mitschwingenden Grundton auf. So sollten wir alle unseren Grundton kennen – und immer wieder dahin zurückfinden."

Die Werkstatt in Admont

Es riecht nach Holz und es fühlt sich ein wenig an wie in einem Museum. Die Wände sind voll mit historischen Instrumenten – Drehleiern, Streich- und Blasinstrumenten, Klangliegen. Ich weise auf jedes mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der andere auf die eigenen Kinder zeigen.

Was mich fasziniert, habe ich in einem Satz zusammengefasst: „Dass ich handwerklich tätig bin, Ideen kreativ umsetzen kann und dass ich dabei die Musik habe – besser geht's gar nicht."

Schwingung als Lebensphilosophie

Ich bin überzeugt, dass alles in Schwingung steht. Nicht als esoterisches Konzept, sondern als handfaste Realität: Holz, Metall, Saiten – aber auch Menschen, Gedanken, Beziehungen. Die Klangliege, ein Instrument mit 39 Saiten, auf die er mit aufgesetzt werden kann, weckt dieses Gespür direkt: Die Schwingungen gehen durch den ganzen Körper, erzeugen ein tiefes Gefühl von Ruhe und innerer Einheit.

„Musik, Körper, Gedanken – alles steht in Resonanz miteinander. Und das Schöne entsteht immer aus dem Zusammenklang der Verschiedenen."

Positiver Egoismus

Ich spreche lieber vom „Schaffen" als vom „Arbeiten". Schaffen ist für mich der Sinn des Lebens. Wer sich selbst gut behandeln kann, kann anderen helfen. „Ich bin reich, weil ich jeden Tag tun darf, was ich liebe" – das klingt einfach, ist aber Ergebnis eines Lebens, das ich konsequent auf das ausgerichtet habe, was ich wirklich will.

Mein Ziel ist es, 100 Jahre alt zu werden. Nicht aus Angst vor dem Tod – sondern weil ich noch so viel zu schaffen habe. Mit 79 greife ich täglich zur Drehleier und spiele eine fröhliche Melodie darauf.

CD: Volksballaden – Karl M. Riedel
Musik

Volksballaden – Karl M. Riedel

18 Balladen, teils mit Dudelsack, teils mit Drehleier begleitet.
Laufzeit: 58:51 Minuten · 20 €

18 Volksballaden – teils auf der Drehleier, teils mit Dudelsack begleitet. Ein musikalischer Einblick in die Welt, für die ich jeden Tag mein Holz schleife.

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